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In der Fachzeitschrift CHUN 2009 habe ich eine Rezension für das Lehrbuch liaoliao geschrieben. Leider ist die Rezension nicht auf den Webseiten des Fachverbandes zu finden (http://www.fachverband-chinesisch.de). Ich werde nachfragen, ob ich die Rezension in Zukunft hier veröffentlichen kann.
Tatsächlich arbeite ich mit drei Gruppen jetzt mit diesem Lehrwerk, und ich bin, je länger ich damit arbeite, umso begeisterter! Ich beneide die Autorin Thekla Chabbi, warum habe ich nicht so ein gutes Buch geschrieben? Aus Trägheit, aus Feigheit etc. etc. Jeder, der mal versucht hat, ein Lehrbuch zu schreiben, weiß, wie anstrengend das ist!
Besonders hat mich gefreut, dass sich die meisten SchülerInnen nach einem Probelauf im Unterricht dazu entschlossen haben, das Buch zu kaufen (oder es sich schenken zu lassen, zum Geburtstag, zu Weihnachten…) . Es zeigt, dass auch ein teures Lehrbuch seinen Absatz finden kann, wenn es gut ist!
Allerdings haben alle drei Lernergruppen zuerst mit einem anderen Lehrwerk gearbeitet, sie hatten also schon Vorkenntnisse. Ich weiß nicht, wie entscheidend das ist für den großen Unterrichtserfolg, den ich zumindest in zwei Gruppen mit dem Buch habe.
Nach meinem jetzigen Erkenntnissstand würde ich das Buch in der Schule ab der 10. Klasse einsetzen. Möglich ist vielleicht auch ein Einsatz in der 8. Klasse, ich kann das nicht genau sagen. Tatsächlich ist das Buch ja konzipiert für erwachsene Lerner.
Ich setze es ein in meinem Kurs an der IHK für erwachsene Lerner. Glücklicherweise sind die TN junge Leute, die sich Zeit nehmen zum Chinesischlernen, es muss also nicht ausschließlich berufsbezogenes Chinesich sein (das führe ich allerdings auch ein anhand von zusätzlichen Materialien auf der Basis des Buchs “Chinesisch erleben: Berufskommunikation im Alltag”). Mit liaoliao kommen sie sehr gut zurecht.
Am besten gefällt mir der Unterricht auf der Basis von liaoliao in meiner AG mit den TN, die schon sehr lange Chinesisch lernen. Die 12 Schüler und Schülerinnen (9. - 12. Klasse) lernen seit zwei bis vier Jahren Chinesisch, ganz regelmäßig wöchentlich 2 Stunden in der Schulzeit, mit ganz langsamen Lernfortschritten. Seitdem wir liaoliao im Unterricht benutzen, haben wir im Unterricht einen unglaublichen Spaß! Wir haben vorher schon gerne gelacht beim Lernen, aber jetzt machen wir das lange und ausgiebig. Wie ich vorhergesagt hatte, fanden sie den Dialog über die illegalen DVDs klasse! Wir überlegen uns, welche Geschenke wir welchen LehrerInnen schenken würden. Wir diskutieren jetzt darüber, wie viel Obst ihren Familien pro Woche kaufen und essen. Die SchülerInnen feilschen wie die Wilden! Wir spielen im Unterricht Activity! Warum habe ich das nicht schon vorher gemacht? Frau Chabbi musste erst das Lernmaterial liefern und mich hinleiten zu dieser Unterrichtsform!
Ein wichtiger Bestandteil des Buches sind die zahlreichen Dialoge als Hörübung. Sie bieten sehr viel Anlass zur Diskussion. Oft wirken die Sprecher im Dialog sehr zurückgenommen, ich habe mich schon gefragt, ob sie vielleicht doch keine so guten Sprecher (Schauspieler) sind? Z.B. bei dem Dialog auf der Straße mit Huang Mei, Ma Hong und Jan, die Frauen sind so kühl zueinander, der Mann benimmt sich am Schluss so dermaßen dämlich… Grund genug für mich als Lehrkraft, über die Freundlichkeit, ja Herzlichkeit der Chinesen untereinander zu sprechen und die TN aufzufordern, den Diaolg mit mehr Emotionen zu sprechen und nachzuspielen…. Die Dialoge sind m.E. zu kompliziert für jüngere Schüler, weil oft innerhalb des Dialogs der Ansprechpartner gewechselt wird oder die Grundstimmung bzw. die Sprechabsicht sich ändert. Dies kann man manchmal nur am Tonfall hören - z.B. ist im Dialog beim DVD-Einkauf die Frau gegen den Kauf von DVDs, bis ihr Mann auf eine Sisi-DVD stößt, sie darauf anspricht und sie plötzlich sagt: “Shi ma?” Da muss man ganz gut hinhören, um die Nuancen herauszuhören (Diese Kompetenz, “zwischen den Zeilen zu lesen” wurde z.B. aufgenommen in den Entwurf der Bildungsstandards 10 für Ba-Wü)… Ich werde in liaoliao sicher noch manches entdecken!
Und zum Schluss: Das Lehrerhandbuch! Ich setze mich abends gemütlich in mein Bett, studiere die Angaben im Lehrerhandbuch, mache ein paar Unterstreichungen und Anmerkungen und: “Der Kittel ist geflickt”, wie man im Süddeutschen sagt! Oder wie meine Kollegin es formuliert: “Wie bei der Vorbereitung für den Englischunterricht!” Was mühen wir ChinesischlehrerInnen uns sonst immer ab!
6.8.2010 bei 17:36
Hallo, ich bin chinesin und auch eine chinesische Leherein in China. Das Buch Liaoliao habe ich vor kurz bekommen, und finde ich es total intersant. Ich denke, kann ich vielleicht es auch mal im Unterricht probieren. Deshalb lese ich sehr gerne Ihre Rezension. Wo kann ich das lesen? Und wenn es ok mit Ihnen ist, nehme ich auch gerne Kontakt mit Ihnen per Email. Damit können wir mit dem Buch und vielleicht auch mit chinesischen Unterricht weiter diskutieren.